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Als die KSA den Nikolaus (be)suchen ging

oder: eine Konzertreise mit Extrawürsten

Der Nikolaus... langes, weißes, wallendes Haar, ebenso weißer Rauschebart, meistens recht farbenfroh gekleidet (inklusive extravaganter Kopfbedeckung) und sehr viel unterwegs; dann meistens mit prall gefülltem Gepäck, das so schwer ist, dass sich jeder fragt, was da wohl drin sein kann. Er mag Kinder und ist immer für Überraschungen gut. Nach getaner Arbeit trinkt er hin und wieder gern ein Gläschen, meistens Rotwein, weil das einfach gut zu ihm passt. Und denkt Euch, in diesem Jahr hat er uns eingeladen, ihn zu besuchen! Und natürlich sind wir seiner Einladung gerne gefolgt.

Der Nikolaus wohnt übrigens in Stuttgart, in einer hübschen, kleinen Wohnung im zweiten Stock - oder an wen habt Ihr gedacht?

Nikolaus hat bisher sicher mit Abstand die meisten Kilometer für die KSA-Schütz heruntergespult. Er ist bei fast jeder Probe dabei, egal ob sie in Wien, in Berlin oder in Elxenbach stattfindet und Events, die sich im zumindest vierstimmigen Bereich abspielen, lässt er nur aus, wenn er mit einem anderen Chor gerade in zum Beispiel China ist. Aber solange er in Stuttgart weilt, ist er quasi jederzeit bereit in den Zug zu steigen und zu uns zu kommen.

Diesmal war alles anders: Nikolaus hat in Stuttgart zwei Konzerttermine organisiert und wir sind zu ihm gefahren: Vera und Adrian, Karin und Georg, Marion mit Flöte, Susi, Wolfgang und der Klaviermartin - ohne Klavier. Wir haben allesamt in einem netten Hotel ganz in der Nähe von Nikolaus´ Wohnung eingecheckt und hatten das ganze lange Christihimmelfahrtswochenende Zeit zum Proben und Konzertieren.

Zwei Konzerte in zwei unterschiedlichen Kirchen mit unterschiedlichem Programm; klingt ein wenig nach Herausforderung, war aber durch die gute Vororganisation von Karin und Nikolaus durchaus schaffbar.

Wir treffen uns - nach und nach - alle im Restaurant des Hotels, die Wiedersehensfreude ist bei allen groß. (Die MitarbeiterInnen im Restaurant kannten uns natürlich noch nicht, ob sie sich über den immer lauter werdenden Tisch nach 22:00 Uhr noch gefreut haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen... nett waren sie auf jeden Fall. Gekocht wurde offiziell nur bis 21:30, aber sie haben's für die nach der langen Reise Hungrigen nicht so genau genommen mit dem Heimgehen, und es gab nicht nur kalte Extrawurst ;))

Am Donnerstag wurde den ganzen Tag im Ensemble geprobt und zwar hier:

Die Stephanuskirche in Bad Cannstatt, ein moderner und äußerst zweckmäßiger Kirchenbau. Von außen sehr interessant, und innen...

...einfach ansprechend. Die Akustik (also das sieht man jetzt nicht auf dem Foto) ist übrigens ... anders. Einerseits trocken, andererseits aber geht jeder Ton im großen Raum auf, nur: Fehler verzeiht dieser Kirchenraum beim Singen keinen, also im Sinne von: keinen.

Man empfängt uns freundlich, man stellt uns die Kirche den ganzen Tag über zur Verfügung, man macht Werbung für das Konzert am Samstag. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Erlös davon für den Kinder- und Jugendchor der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt werden wird :)

Wir verbringen den Tag also singend. Wir wollen ein neues Programm präsentieren und das erfordert natürlich einen gewissen Aufwand. Die Pausen dazwischen verbringen wir unter der Kirche, wo ein schöner Saal auf uns wartet; schön unter anderem auch, weil wir endlich erfahren, was in Nikolaus´ immerschwerem Koffer drin ist:

 

 

 

 

Essen. Und zwar so viel Essen, dass wir das bis zum Ende unserer Proberei in dieser Kirche nicht essen werden können.

Gut, dass das Singen relativ viel Energie braucht, so können wir den Koffer für den Heimweg wenigstens erleichtern. Auch diesmal ist ein Stück von Heinrich Schütz in unserem Programm, Lobe den Herren meine Seele nämlich, eine doppelchörige Motette. Interessanterweise steht in den Pausen folgendes am Programm:

 

Wie doch immer wieder alles zusammenpasst :)

Am Abend waren wir jedenfalls rechtschaffen müde, etwas durstig und.. hungrig. Jedenfalls sind wir am Heimweg noch im Chinarestaurant eingekehrt. Dort hat man keinen Zweifel darüber offen gelassen, dass es schon sehr spät ist, aber man hat alle unsere Wünsche erfüllt :) (obwohl wir schon damit gerechnet hatten, dass jeder nur eine Extrawurst hingestellt kriegt, als Wink mit dem Zaunpfahl quasi.)

Wir haben auch die Bestellung für Samstag Abend gleich deponiert, weil da haben wir schon einen Tisch für nach dem Konzert vorbestellt, weil das Hotelrestaurant da nämlich zu gehabt haben wird. Und der Nikolaus hat schon im Vorfeld ausgehandelt, dass wir auch nach dem Konzert noch etwas zu essen kriegen werden, wenn wir alles genau vorbestellen und sie es schon kochen können bevor wir kommen. Als echte Extrawurst für die verrückten Österreicher quasi. Also hat die Karin in bester Schulschrift unsere Wünsche auf einen Zettel geschrieben. Und im Anschluss noch mit Menükartennummern versehen, weil wir feststellen mussten, dass das Personal zwar die Speisekartennummern alle auswendig kann, aber keine Ahnung hat, wofür diese Nummern stehen und was das auf Deutsch heißt.

Am nächsten Tag war aber erst Freitag, und da hatten wir uns entschlossen, ein Solo - Duett - Terzett - Instrumentalprogramm zu machen, und zwar in dieser Kirche. Wir wollen alle Soli und Duette aus dem Bach Magnifikat singen, Nikolaus und Marion haben Terzette mit Flöte, Horn und Klavier vorbereitet, auch die sechs geistlichen Gesänge von Beethoven werden nicht fehlen, diesmal singt Nikolaus den Großteil davon, die Nummer sechs wird die Karin übernehmen.

Das sind die Noten vom Martin :)) ..viel zu viele? .. gerade so viel wie nötig!

Auch hier nimmt man uns freundlich auf, die Kirche gehört den ganzen Tag über uns zum Proben, und dann wird es Abend, und der Beginn des Konzertes rückt näher, und alle sind da, nur der Nikolaus fehlt. Er ist auch am Telefon nicht zu erreichen, und so bleibt uns nicht viel mehr übrig, als zu warten, was passiert. Um zwei Minuten vor Konzertbeginn meldet er sich doch am Telefon, und sagt er wird in fünf Minuten wieder da sein.. ich habe vergessen, was er zu Hause vergessen hatte, jedenfalls muss es wichtig gewesen sein, immerhin war das erste Stück seines :)

Aber es ging gut, wir waren zufrieden. Die, die mitgesungen hatten, sahen es als gute Aufwärmübung für den nächsten Tag und die anderen kamen zum Zuhören und konnten sich so ein wenig auf den nächsten Tag einstimmen.

Der Abend klang dann wohl noch gemeinsam aus, gemeinsam und gemütlich im Hotel... ganz ohne Extrawürste.

Ja, und dann kam der Samstag und mit ihm das erste Konzert, dass wir in der großen Formation (also zu acht) wieder gesungen haben, nachdem wir über ein ganzes Jahr hindurch keinen Bass hatten. Was soll ich jetzt dazu sagen? Wir sind gekommen, wir haben geübt und wir haben gesungen... 

Also, wir waren nicht am absoluten Zenit unseres Schaffens, und es hatte viele Gründe. Aber wir haben das Konzert zu Ende gebracht, es war wichtig für uns, wieder gemeinsam zu arbeiten und wir konnten schöne Musik unter die Leute bringen.

Ja, und dann sind wir noch ins China-Restaurant gegangen, weil wir hungrig waren und weil wir das ja so vereinbart hatten. Obwohl es eigentlich schon kurz vor der Sperrstunde war. Aber nachdem wir vorbestellt hatten, war es eigentlich kein Problem. Obwohl die Belegschaft keinen Zweifel daran gelassen hat, dass es schon wieder sehr spät ist. Trotzdem haben sie uns dann noch eine Runde Getränke gebracht :) 

Und dann? Sind wir zum Hotel gegangen, dessen Restaurant Ruhetag hatte. Und weil alles ganz ruhig war, haben auch wir uns bemüht leise zu sein, während wir vor dem Hotel im Garten saßen und noch eine Flasche Wein getrunken haben. Oder zwei. Ob das allen Gästen so gut gefallen hat wie uns, wissen wir nicht, aber es hat sich keiner beschwert.

Und so klang unser Musikwochenende in Stuttgart wieder aus, und am Sonntag sind wir alle wieder nach Hause gefahren, um am Montag wieder in unser Alltagsleben einzutauchen. Nur der Nikolaus ist einfach dort geblieben... mitsamt seinem Koffer voll süßem Inhalts..!

(:Georg:)

...noch ein paar Impressionen aus Stuttgart:

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Kommentare: 1
  • #1

    Nikolaus E (Freitag, 10 Juli 2020 23:40)

    Bravo, lieber Georg!
    Superb!